Kurzübersicht zu theistischen und anti-theistischen Theorien über (die Existenz) Gott(es)

Momentan lese ich mit Gewinn ein theologisches Handbuch, welches ich wärmstens empfehlen kann. Einige Punkte finde ich so interessant, dass ich mir gedacht habe, sie kurz zusammenzufassen[1]. Leider ist das Handbuch bisher nicht im Deutschen erschienen. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen, die zugegebenermaßen hier und da philosophischen Argumente zu verstehen und sie in den verschiedenen Personen, die uns begegnen, zu entdecken. Ich hoffe, dass Gott dieses Vorwissen bei evangelistischen Gesprächen ein wenig nutzen kann.


Theistische Theorien

Anti-theistische Theorien

Kosmologisches Argument

Jede Wirkung muss eine Ursache haben

Da die Welt mit allen ihren Bestandteilen existiert, muss ein Verursacher dahinter stehen. Es kann nicht „etwas“ aus dem Nichts entstehen.

Atheistische Sichtweisen

a) Praktische/Pragmatische Atheisten, die so leben, als ob es Gott nicht gibt,

b) Dogmatische Atheisten, die offen einen Gott leugnen,

c) Scheinbare Atheisten, die Gott aufgrund der Begrifflichkeit ablehnen (Paul Tillich spricht beispielsweise von Gott als dem „Grund allen Seins“

Teleologisches Argument

Gesetzmäßigkeiten und nützliche Anordnungen in einem System bedingen eine dahinter stehende Intelligenz und eine Absicht

Die Naturgesetze, die Abläufe des gesamten Kosmus etc. lassen auf Gott schließen. (vgl. hierzu Psalm 8,4f. und 19,2ff.)

Agnostische Sichtweise

Man kann nicht wissen, ob Gott existiert“

Gott ist nicht wissenschaftlich beweisbar bzw. verifizierbar, deshalb muss er bei Diskussionen außen vor gelassen werden. Es ist ein skeptizistisches und pragmatisches Argument.

Anthropologisches Argument

Der Mensch ist ein moralisches, geistliches Wesen

Der Mensch wurde im Bilde Gottes erschaffen (1. Mose 1,26ff.). Diese Ebenbildlichkeit ist vor allem geistlicher, nicht körperlicher Art (Epheser 4,24; Kolosser 3,10). Jeder Mensch hat ein Gewissen, Intellekt, Emotionen und einen Willen.

Evolutionistische Sichtweise

Das Leben ist nicht übernatürlichen Ursprungs

Der Mensch ist Produkt der Evolution, lediglich biologischer Natur und daher auch nicht moralisch einem Gott verantwortlich.

Moralisches Argument

Woher kommt das Bewusstsein für das Richtige und das Falsche?

Dieses Argument hängt eng mit dem anthropologischen Argument zusammen. Woher kommt der Sinn für eine natürliche Gerechtigkeit? (vgl. hierzu Römer 2,14f.)

Polytheistische Sichtweise

Es gibt viele Götter oder man kann an viele Gottheiten glauben“

Ontologisches Argument

Wenn man sich einen perfekten Gott erdenken könnte, der nicht existiert, dann müsste man jemand Größeres als Gott erdenken können, was unmöglich ist. Also existiert Gott.

Dieses durch Anselm von Canterbury bekannt gewordene Argument ist umstritten, da es vom Allgemeinen auf das Besondere schließt (deduktive Methode).

Pantheistische Sichtweise

Alles ist Gott und Gott in allem

Es gibt verschiedene Formen des Pantheismus, so z.B. den materialistischen, den hylozoistischen, den neutralistischen, den idealistischen und den philosophisch-mystizistischen.

Deistische Sichtweise

Es gibt keinen persönlichen Gott, zu welchem man eine Beziehung haben kann

Ein unpersönlicher Gott hat die Welt erschaffen und sie ihrem Schicksal überlassen. Er greift nicht mehr ein.


[1] vgl. dazu im Folgenden: Paul Enns: The moody handbook of theology, Moody Publishers Chicago, 2nd ed. 2008, S. 187ff.

 

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