Gemeinde in der Apostelgeschichte – Teil 3: Gemeinschaftliche Gemeinde

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„Nanu“, wirst du vielleicht sagen, „das klingt aber komisch. Ist nicht Gemeinde automatisch eine Gemeinschaft?“ Ich würde dir nicht vorwerfen, wenn du diese Ansicht vertrittst. Doch wenn ich einen Blick auf viele unserer Gemeinden werfe, dann gibt es sehr wohl Gemeinden, die sich zwar Gemeinde nennen, aber keine bzw. kaum Gemeinschaft untereinander haben.

Wenn ich nun die Apostelgeschichte nach der Gemeinschaft unter den ersten Christen kurz untersuche und einige Gedanken hierzu mitteile, dann meine ich mit Gemeinschaft das Beziehungsgeflecht zwischen einzelnen Menschen. Wie gingen die ersten Christen miteinander um? Wie lebten sie zusammen? Wie gingen sie mit Konflikten um? Usw.

Weit davon entfernt, alle Gemeinden über einen Kamm zu scheren und auch alle Praktiken als hundertprozentig gut zu bezeichnen, möchte ich dennoch Mut machen, sich von der Art und Weise des Auslebens der Gemeinschaft in dem Herrn Jesus ansprechen zu lassen.

1. Einmütige Gemeinde

Schon oft habe ich Apostelgeschichte 1,14 zitiert und auch hier möchte ich auf den Vers verweisen. Beeindruckt von dem Tod, der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu trafen sich die ersten Christen in einer ausdauernden Einmütigkeit unter Gebet. Wie so oft in der Kirchengeschichte wurde auch hier der Grundstein für Erweckung auf den Knien und in einer einmütigen Haltung gelegt. Wir betonen zu Recht den Wert des Gebets, aber Einmütigkeit ist ebenfalls ein Zeichen für Erweckung. Nicht umsonst ermahnt uns der Apostel Paulus in 1. Korinther 1,10, einmütig zu sein in der Weise, dass wir keine Spaltungen hinsichtlich des Sinnes (der geistlichen Ausrichtung) und der Meinung (geistliche Ansicht; so verstehe ich es) zulassen.

Diese Einmütigkeit der ersten Christen zieht sich durch die Apostelgeschichte (2,46; 4,32; 8,6).

Es ist bezeichnend, dass Lukas die Menge der Christen als „ein Herz und eine Seele“ beschreibt (4,32).

Die generelle Einmütigkeit zeigt sich auch darin, dass von keinem Aufbegehren gegen die Autorität von Petrus, Paulus, Barnabas usw. berichtet wird. Nein, als der Heilige Geist (lediglich) Paulus und Barnabas beruft, akzeptieren die Gläubigen dies und rebellieren nicht (13,2f.).

Einmütigkeit können wir auch im Ergebnis bei dem Apostelkonzil (15) erkennen. Die Entscheidung von Jakobus war eine weise Entscheidung, die keine schweren Lasten für die neuen Gläubigen zur Folge haben sollte. Die Reaktion war, so wie ich es verstehe, Einmütigkeit (15,30ff.), auch wenn diese Thematik später von den gesetzlichen judaisierenden Christen aufgegriffen werden sollte.

Und zu guter Letzt sehe ich ein herzliches Weinen bei der Verabschiedung von Paulus (20,36ff.). Ist das nicht eine herzliche, innige Gemeinschaft?

2. Christusorientierte Gemeinde

Kapitel 2,42 ist nicht eine Abhandlung von Weisungen, die Gott von den Christen erwartet, sondern vor allem der Ausdruck, wie die Gemeinde untereinander und miteinander auf Christus blickte. Sie hörten seine Lehre, die die Apostel weitergaben. Die Beröer prüften alles genau anhand der Bibel (17,11). Weiterhin brachen die ersten Christen das Brot und erinnerten und verkündeten somit den Tod Jesu für unsere Sünden. Sie beteten den himmlischen Vater an. Und sie übten Gemeinschaft untereinander, denn der Heilige Geist in ihnen drang sie, Gemeinschaft mit anderen Christen zu suchen. Der Herr Jesus verband sie.

Die Orientierung auf ihn allein zeigt sich auch in 6,1ff., als die Jünger Diakone einsetzen, um weiter sich um das Wort Gottes kümmern zu können. Jede Gemeinde ist nur so stark wie sie Christus im Fokus hat. Wenn der Blick von ihm abgewandt ist, wird es NIE Segen geben.

3. Teilende Gemeinde

Ihre Gemeinschaft ging so weit, dass sie alles gemeinsam hatten (2,44). Sie teilten ihren Besitz untereinander.

Vielleicht hakst du hier ein und sagst, dass Gott das doch nicht von uns heute verlangen kann. Doch, er könnte es schon, meine ich, denn er ist der Herr und darf es. Aber er verlangt es nicht! Ananias und Sapphira wurden von Petrus nicht angeklagt, weil sie nicht alles gegeben hatten, sondern weil sie den Heiligen Geist belogen hatten (5,3-4).

Doch war es ein Drang der Gläubigen, untereinander zu teilen und sich zu unterstützen. Der Heilige Geist drängte sie. Ich bin der Überzeugung, dass ein Modell, was gemeinschaftlichen Besitz einfordert, scheitern wird. Wenn allerdings Gläubige, angesprochen und motiviert durch unseren Herrn untereinander eine solche Gütergemeinschaft ohne Zwang willentlich und mit Freude leben, dann wird unser Vater im Himmel das segnen.

4. Keine perfekte Gemeinde

Die Begebenheit von Ananias und Sapphira sollte nur die erste von vielen Begebenheiten sein, die den fehlbaren Zustand der Gemeinden verdeutlichen. Die Briefe sind voll von Ermahnungen bzgl. Unzucht, Hurerei, Götzendienst, Neid, Streit usw. Nein, die Gemeinde war keineswegs perfekt.

Unter Punkt 3 beispielsweise habe ich hervorgehoben, wie sich die Gläubigen unterstützt haben. Doch in 6,1 zeigt sich, dass die griechisch sprechenden Juden (Hellenisten) offenbar nicht so unterstützt wurden. Man kann mit Sicherheit annehmen, dass viele Juden diesen Hellenisten aufgrund der sprachlichen und möglicherweise auch sozio-kulturellen Orientierung nicht so wohlgesonnen waren. Zum Glück griffen die Jünger weise ein und lösten das Problem (6,1ff.).

Ebenso gab es unaufrichtige Leute in den Gemeinden wie beispielsweise der Zauberer Simeon, der nur an der Machtwirkung des Heiligen Geistes für seine Zaubereien interessiert war (8,9ff.).

Ebenso entstand Streit hinsichtlich der „Gemeindeneuankömmlinge“ aus den Nationen (11,2; 15,1ff.). Die Christen mit jüdischem Hintergrund waren verunsichert und warfen Petrus und später Paulus immer wieder vor, dem Gesetz untreu zu werden. Sie forderten die Einhaltung der Gebote, sowohl der Speisegesetze als auch der Beschneidung (15,1ff.).

Auch unter ernsten Gläubigen kann es zu tiefen Gräben kommen. Barnabas und Paulus sind uns bis heute ein Beispiel hierfür, wie eine Personalentscheidung zum Zerwürfnis werden konnte (15,36ff.). Wie schön, dass der Herr trotzdem segnete…vielleicht, weil Barnabas und Paulus sich dann doch im Vertrauen auf Gott trennten, obwohl die Verbitterung groß war.

5. Verfolgte, evangelisierende Gemeinde

Mit Stephanus‘ Ermordung begann eine große Christenverfolgung (8,1). Die Christen wurden zerstreut, lediglich die Apostel waren nicht betroffen. Warum, wissen wir nicht. Gott hielt sicher seine Hand über sie. Vielleicht wollten die religiösen Führer auch nicht zu offensichtlich die Leitfiguren eliminieren. Später erklärten Barnabas und Paulus den Gläubigen, dass sie durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen (14,22). Paulus selbst nahm auf sein Leben keine Rücksicht (20,24).

Die Verfolgung sollte sich ebenfalls fortsetzen, genau genommen bis zum heutigen Tag. Wie vor 2.000 Jahren werden Christen heutzutage verfolgt, gehasst, gefoltert, getötet. Doch weit davon entfernt sich selbst zu rächen, verkündeten die ersten Christen Christus fröhlich weiter (8,4), sodass aus dem Leid Freude erwuchs (8,8). Sollte uns das nicht zu denken geben?

Doch auch hier entwickelte sich die Gemeinde. Zunächst verkündeten die Christen das Evangelium nur unter den Juden (11,19). Erst später redeten sie auch zu den Griechen (11,20). Es gab dann eine „Arbeitsteilung“ zwischen Petrus, der den Juden das Evangelium verkündigen sollte, und Paulus, dem Evangelist für die Nationen (Galater 2,8).

6. Fröhliche Gemeinde

Ja, dieser Punkt ist mir persönlich auch sehr wichtig. Es beeindruckt, wie fröhlich die ersten Christen gewesen sein mussten. Sie frohlockten (2,46) und freuten sich auch im Leid. Wenn sie für den Herrn selbst litten, freuten sie sich überschwänglich (5,41). Der Kämmerer aus Äthiopien zog seines Weges mit Freuden (8,40). Die Bekehrten aus den Nationen freuten sich ebenso wie die Jünger über die Errettung (13,48ff.). Paulus und Silas lobten Gott mit Liedern in dem Gefängnis von Philippi (16,25).

Haben wir vielleicht nicht unsere Erlösung vergessen, dass wir uns nicht mehr so überschwänglich freuen können? Haben wir auch hier den Blick vom Herrn weggewandt? Können wir noch aus vollem Herzen singen: „Unser Mund, der ist voll Jubel, unser Herz, das ist voll Dank, dass Du uns hast erlöset, erkauft ein Leben lang“?

7. Gottesfürchtige Gemeinde

Gottesfurcht ist heutzutage kein beliebter Begriff. Ich glaube auch nicht, dass Gottesfurcht panische Angst vor Gott meint, sondern vielmehr eine ernsthafte, demütige Anerkennung der Herrschaft Christi. Doch diese gottesfürchtige Haltung kommt nicht automatisch; sie muss erlernt und vom Herrn gewirkt werden.

Die Gemeinden in Judäa, Galiläa und Samaria wurden erbaut durch den Heiligen Geist. Sie lebten (als Folge) in einer gottesfürchtigen Weise vor Gott selbst. Nein, da ging es nicht um die Frage, ob man sich als Christ piercen oder tätowieren lassen darf oder ob man auf eine Party gehen darf. Der Fixpunkt war Christus. Alles sollte auf ihn ausgerichtet sein.

8. Kulturübergreifende Gemeinde

Ob die Juden zu Pfingsten (2,5ff.), die Hellenisten (6,1ff.), der Kämmerer aus Äthiopien (8,26ff.) oder der Hauptmann Kornelius (10,1ff.): Sie alle stammten aus unterschiedlichen Nationen und Kulturen. Was für uns heutzutage selbstverständlich ist, war zur Zeit der Apostel sehr bedeutsam.

Ja, auch früher konnte man aus einem anderen Volk zum Judentum übertreten (der Akt der Beschneidung war notwendig). Aber dass Gott zu Pfingsten durch das Sprachenreden in der Weise die Ausbreitung des Evangeliums so stark auf andere Nationen ausdehnte, hätten die ersten Christen wohl nicht für möglich gehalten.

Schon einige Zeit später war Petrus, der doch die Pfingstpredigt selber gehalten hatte, anscheinend verunsichert. Gott zeigte ihm durch die Verzückung und die Begebenheit mit dem Hauptmann Kornelius eindeutig, dass Gott nicht auf die Nationalität oder den Kulturkreis achtet (10,34ff.).

9. Geistliche Gemeinde

Mit diesem Punkt meine ich die Leitung durch den Heiligen Geist. Nicht umsonst wird die Apostelgeschichte oft auch das Buch des Heiligen Geistes genannt. Da ich diesen Punkt besonders wertvoll finde, möchte ich ihn beim nächsten Mal genauer beleuchten. Ich möchte untersuchen, wie der Heilige Geist von Anfang an bis zum Ende wie beteiligt war. Es würde zu weit führen, dies jetzt darzulegen, weswegen ich nur kurz anmerken möchte, dass der nächste Teil 4 auch einen Bezug zu diesem Teil hat.

Zusammenfassung

Ist es dir vielleicht auch so ergangen, dass du bei dem einen oder anderen Mal geschluckt hast? Bist du neu ins Nachdenken gekommen, was Gemeinde Jesu bedeutet? Brennt dein Herz so wie das der ersten Christen?

Wie kannst du selbst und wie können wir zu einer Gemeinde werden, die auch unter Leid Gott fröhlich, einmütig, gottesfürchtig ehrt?

Lasst uns diesen Wunsch niemals verlieren und uns nach dem Herrn gemeinsam ausstrecken! Lasst uns gemeinsam beten und ihn ansehen! Lasst uns neu offen sein für seine Autorität! Lasst uns fröhlich, gnädig, voller Liebe und Herzlichkeit sein und nicht gesetzlich-spalterisch-rechthaberisch! Ja, wäre das schön…

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